Pflanzengesundheit und Pflanzenschutz

Die Gesunderhaltung der Obstbestände zur Erzeugung von qualitativ hochwertigem Obst unter Schonung der Umwelt ist ein wichtiges Ziel der Obstproduzenten. Gemäß den Grundsätzen der Integrierten und Ökologischen Produktion werden Sorteneigenschaften, Unterlagenwahl sowie anbau- und kulturtechnische Maßnahmen mit notwendigen Pflanzenschutzmaßnahmen kombiniert. Der Schutz des Verbrauchers steht hierbei im Vordergrund und wird durch das sichere wissenschaftlich basierte Zulassungsverfahren des Bundesamts für Verbraucherschutz, des Umweltbundesamtes, des Bundesinstituts für Risikobewertung und des Julius-Kühn-Instituts in Deutschland gewährleistet. Zur Pflanzengesundheit und für gezielte Pflanzenschutzmaßnahmen stehen unabhängig von der Produktionsweise verschiedene Einzelverfahren sowie Kombinationen von Verfahren zur Verfügung, die das natürliche Gleichgewicht der Obstanlagenfauna und –flora wenig stören und die Auswirkungen auf die Umwelt so gering wie möglich halten.

Dies war in der Vergangenheit anders: In den Nachkriegsjahren bis in die späten 1970er Jahre standen nachteilig wirkende chemisch-synthetische Produkte zur Verfügung, die leider heute noch zur Erklärung des Pflanzenschutzes herangezogen werden.
Ziel heute ist es, den Anteil chemischer Pflanzenschutzmittel auf das absolut notwendige Maß in begründeten und dokumentierten Fällen (Kontrolle der Anlagen, Schadschwellenprinzip) zu reduzieren. Der moderne Pflanzenschutz bietet hierfür mittlerweile sowohl für die Ökologische als auch Integrierte Produktion eine Fülle von Alternativen, um dieses Ziel konsequent zu erreichen: Vorrangig ist dabei der Einsatz biologischer Behandlungsmittel zu nennen, aber auch physikalische und mechanische Verfahren sowie resistente Sorten werden genutzt. Zudem wird der jeweils aktuelle Nützlingsbesatz im Kontext der klimatischen Standortsituation in die Bewertung einbezogen.
Gemäß den Änderungen des Naturschutz- und Landwirtschaftsrechtes zum 31. Juli 2020 (Artikelgesetz: „Biodiversitätsstärkungsgesetz“) wird dieser bereits in den 1990er Jahren eingeschlagene Weg der Reduktion des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln kontinuierlich fortgeführt. Bis zum Jahr 2030 hat sich das Land Baden-Württemberg verpflichtet, den Anteil chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel um 40 – 50 % im Vergleich der Jahre 2016 bis 2020 zu reduzieren. Das Pflanzenschutzteam am KOB mit den zur Verfügung stehendem Versuchsfeldern von insgesamt 12 ha, sowie in den Projekten, wird für die Branche hierzu Versuchsarbeiten durchführen und seinen Beitrag leisten.

Übergebietliche Pflanzenschutzberatung und Versuchswesen

Für Beratungsfragen zur Gesunderhaltung der Erwerbsobstanlagen und zum Pflanzenschutz im Obstbau steht die Übergebietliche Pflanzenschutzberatung und Versuchswesen als amtlicher Pflanzenschutzdienst des Landratsamtes Bodenseekreis für den gesamten Bodenseeraum zur Verfügung. Diese Aufgabe übernimmt das Pflanzenschutzteam am KOB.

Zur regionsspezifischen Beratung stehen eigene Versuchsflächen bereit, die nach den Grundsätzen der integrierten Produktion (IP) bewirtschaftet werden. Von den insgesamt für das Pflanzenschutzteam des KOB zur Verfügung gestellten 12 ha  werden für diese Beratungsfragen auf 5 ha der Obstanbaufläche des KOB umfangreiche Versuche zur Regulierung von Schädlingen und Krankheiten unter Nutzung integrierter Verfahren durchgeführt. Daneben werden auch biologische und biotechnische Verfahren auf die Eignung für den biologischen Obstbau (Bio) getestet.  Amtliche Mittelprüfungen ("IP" und "Bio") zu allen relevanten Schaderregern werden nach der Guten Experimentellen Praxis (GEP) richtlinienkonform durchgeführt. Mobile Applikationsgeräte ermöglichen die Versuchsstätigkeit ggf. auch auf Problemflächen in der Region.

Aufgaben:

  • Überwachung der Obstkulturen in der Region Bodensee (Bodenseekreis, Kreis Ravensburg, Kreis Konstanz) auf das Auftreten von Schädlingen (z.B. Kirschessigfliege, Apfelwickler, Marmorierte Baumwanze), Nützlingen (z.B. Raubmilben) und Krankheiten (z.B. Schorf). In Kooperation erfolgen umfangreiche Erhebungen zum Auftreten von Feuerbrand (Fruchtmumien, Blüten)
  • Regelmäßige Beobachtungen und Erhebungen unter Verwendung von Prognosemodellen (z.B. Schorfprogramm "Welte" der Firma Farmet GmbH; www.isip.de) und eines Wetterstationen-Messnetzes (www.wetter-bw.de) sowie Pheromonfallen und mehrerer Sporenfallen
  • Pflanzenschutzberatung als Gruppenberatung, Einzelberatung vor Ort und per Telefon
  • Information und Fortbildung: Vorträge, Feldbegehungen in den Versuchsflächen des KOB, Schulungen
  • Versuchswesen: Amtliche Prüfung von Pflanzenschutzmitteln und -verfahren, Landesversuchsprogramm Pflanzenschutz, orientierende Versuche als Grundlage für die Beratung, orientierende Versuche als Auftragsversuche, Lückenindikationsversuche (Wirksamkeit, Abbaureihen), Projektarbeit
  • hoheitliche Aufgaben nach Pflanzenschutzrecht im Bodenseekreis
  • Warndienst: per Email oder Fax; als Ansagedienst per Telefon
    >das Pflanzenschutzfax informiert sie immer rechtzeitig über die aktuelle Situation und erforderliche Maßnahmen (technische Gebühr für den Bezug 16€/Jahr). Zum Formular>>
    >Telefonischer Warndienst: 01805 - 197 197 37 (14 Cent/Min., Mobilfunkpreise max. 0,42 €/min)

Ansprechpartner

Dr. Christian Scheer
Fachbereichsleiter Pflanzengesundheit und Pflanzenschutz
Tel.: 0751-7903-306
E-Mail: scheer@kob-bavendorf.de