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Versuchsbetrieb

Die Stiftung Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee (KOB) und ihre Versuchsfelder befinden sich auf einem knapp 30 ha großen Areal östlich von Ravensburg, das im Besitz des Landes Baden-Württemberg ist. Die Flächen sind dem Ortsteil Bavendorf der Ortschaft Taldorf zugeordnet, einer Teilgemeinde der Großen Kreisstadt Ravensburg.

Geschichtliches
Die Obstbau-Versuchsflächen wurden ab dem Jahr 1959 auf dem durch das Land Baden-Württemberg erworbenen Schuhmacherhof angelegt. Der Bau des Institutsgebäudes, der Labors und des Betriebsgebäudes erfolgte von 1961-64. Für mehr als 40 Jahre waren die Einrichtung als Obstbauliche Versuchsstation der Universität Hohenheim angeschlossen, bevor sie mit Beginn des Jahres 2001 in die selbstständige Stiftung Kompetenzzentrum Obstbau-Bodensee überführt wurde.

Versuchsbetrieb
Der Versuchsbetrieb am KOB bietet mit seinen umfangreichen und gepflegten Obstplantagen hervorragende Möglichkeiten für das angewandte Versuchswesen und die wissenschaftliche Forschung im Bereich Obstbau. Gleichzeitig dienen die Anlagen als Versuchs- und Demonstrationsgarten für die Obstbauberatung und die Obstbaupraxis sowie als Lehrobjekt zur Schulung von Auszubildenden im Obstbau und den interessierten Hobbyanbauer.
Von den etwa 30 ha Gesamtfläche am KOB können 25 ha in Kultur genommen und für Obstanpflanzungen genutzt werden. Rund 2/3 der Obstkulturflächen nimmt der Apfel ein und hat damit den wichtigsten Stellenwert, gefolgt von der Birne mit fast 10% Kulturflächenanteil.
Auf kleineren Flächen sind Obstanlagen mit Kirschen - in der Hauptsache Süsskirschen - Zwetschgen und Beerenobst (einschließlich Tafeltrauben) erstellt worden. Ergänzend dazu ist der Lehr- und Schaugarten zu nennen, der einen guten Überblick zu vielen weiteren, im Bodenseeklima anbauwürdigen Obstarten gibt.

Standort/Klima
Der Obstbau-Versuchsbetrieb befindet sich in der oberschwäbischen Jungmoränen-Landschaft an einem leicht gegen Osten geneigten Hang. Die Lage ist mit 470-500m Höhe über NN um bis zu 100m über dem Niveau des Bodensees.
Klimatisch gesehen ist dies für die Region Bodensee eine mittlere Lage in bezug auf die Obstblüte und Fruchtreife. Bundesweit betrachtet ist der Standort den eher später reifenden Anbaugebieten zuzuordnen.
Die Aufzeichnungen der betriebseigenen Wetterstation bestätigen dies mit der langjährig gemessenen durchschnittlichen Jahresmitteltemperatur von 8,2° C (Durchschnitt Deutschland ca. 9,0° C). Die durchschnittliche Jahresniederschlagemenge beträgt 950mm. Die niederschlagsreichen Monate liegen zur Blütezeit im Mai und über den Sommer.

Boden
Der auf den Flächen vorhandene Bodentyp wird als Pseudogley- Parabraunerde von geringer Entkalkungstiefe klassifiziert und ist aus den eiszeitlichen Ablagerungen einer tonig-lehmigen Würmgrundmoräne durch Verwitterung entstanden.
Dies ist eine recht schwere, lehmige Erde, deren Vorteil eine während Trockenzeiten lang anhaltende Versorgung der Pflanzen mit Feuchtigkeit ist. Daneben weist der Boden aufgrund des ca. 5%igen Tonanteils ein hohes Adsorptionsvermögen für Nährstoffe auf. Die Bodenzahl liegt zwischen 55 und 60 Punkten. Während anhaltender Feuchteperioden sind die vernässenden, zu sauerstoffarmen Bodenbedingungen führenden Wirkungen als nachteilig anzusehen. Über die Winterzeit ist der Boden häufig wassergesättigt und damit kalt, was zu einem späteren Pflanzenaustrieb und leicht verzögerter Blüte führt. Oft sind Bodenbearbeitungsmaßnahmen und Pflanzarbeiten durch die Bodenfeuchte deutlich behindert.

Bewirtschaftung
Die Flächen werden nach den Grundsätzen der ‘Integrierten Produktion’ bewirtschaftet. In beinahe jedem Versuch ist eine der Apfel-Standardsorten ‘Jonagold’, ‘Elstar’, ‘Golden Delicious’, ‘Gala’ oder ‘Braeburn’ vertreten. Fast alle Quartiere sind inzwischen mit der dritten Generation von Obstbäumen bepflanzt. Das gut 2ha umfassende Öko-Quartier wird gemäß den Richtlinien des Bioland-Verbands bewirtschaftet. Die Haupt-Bio-Apfelsorte ist ‚Topaz’.
Zur Bodenvorbereitung zwischen Folgepflanzungen wird tiefengelockert und möglichst während einem Jahr Gründüngung (z.B. Ölrettich, Bokharaklee) angebaut. Standard-Bodenpflege ist das Mulchen der Wiese mit möglichst schmalem Herbizidstreifen. Soweit möglich, besonders während der ersten Jahre nach der Neupflanzung, wird der Baumstreifen auch mechanisch unkrautfrei gehalten. Die mechanische Beikrautregulierung ist im ökologischen Anbau zwingend vorgegeben.
Die Düngung richtet sich generell nach den Ergebnissen der Bodenuntersuchung. Anzustrebende Werte für das Versuchsfeld sind: pH 6,0 - 6,5, Phosphor 10 - 20 mg, Kalium 20 - 30 mg, Magnesium 7 -15 mg je 100g Boden.
Da kein chemisches Präparat explizit und kontinuierlich zur Fruchtausdünnung zur Verfügung steht, werden Versuche mit Blattdüngern, Harnstoff, Blühstimulatoren und weiteren düngemittelähnlichen Stoffen durchgeführt. Daneben hat sich die mechanische Behangsregulierung mit Ausdünnmaschinen etabliert. Eine zusätzliche Handausdünnung ist meist erforderlich. Die angestrebten Fruchtbehangdichten liegen bei 7 - 9 nach der Zählmethode von Winter.
Die Maßnahmen des Integrierten Pflanzenschutzes werden durch gezielte Förderung der natürlichen Feinde von Schaderregern unterstützt. In allen Quartieren konnten inzwischen Raubmilben angesiedelt werden. Die Ernte erfolgt unter genauer Kontrolle des Reifefortschritts nach der Streif-Methode in mehreren Pflücken, wobei der Fruchtertrag der Versuchsbäume festgehalten wird. Gewichts-, Größen- und Farb-Sortierung sowie die Bonitierung nach Qualitätskriterien ist nach der Ernte, bzw. Auslagerung mit einer modernen Sortiermaschine möglich. Bei der Lagerung werden die technischen Möglichkeiten der CA/ULO-Lagerung genutzt.

Absatz Ernte
Das KOB ist der Erzeugerorganisation WOG Raiffeisen e.G. angeschlossen und liefert nach Auswahl und Entnahme von Labor- und Lagerproben den größten Teil der Ernte an die BayWa/WLZ Annahmestation nach Ravensburg. Die jährliche Gesamterntemenge liegt bei durchschnittlich ca. 570t. Die Stiftung erzielt damit, entsprechend den Marktpreisen, jährliche Einnahmen, die im Finanzhaushalt eingestellt sind.