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Bavendorfer Beratungs GmbH und Wissenspaket

Der Obstbau unterliegt einem stetigen Wandel mit neuen Herausforderungen für die Produzenten. Die Globalisierung birgt Chancen für den Absatz der Früchte auf nationalen und internationalen Märkten, in der Erweiterung des Angebots, aber auch Risiken durch höheren Wettbewerbsdruck sowie neue Schadorganismen. Auf der Suche nach Wegen in der laufenden Verbesserung des Betriebes, beispielsweise mittels neuer attraktiveren Sorten, besseren Qualitäten und effizienteren Produktionsweisen haben sich Obsterzeuger mit den neuesten Erkenntnissen aus Wissenschaft, Forschung und Beratung auseinanderzusetzen.

Das Kompetenzzentrum entwickelt hierzu seit vielen Jahren praxisnahe Problemlösungen, es ist in allen Arbeitsbereichen in die internationale Obstbauforschung eingebunden und sorgt sich um den zügigen Wissenstransfer in die Obstbaupraxis sowie die Ausbildung im Obstbau. Grundlage der praxisnahen Arbeit sind über Drittmittel geförderte Projekte mit weiteren Partnern aus Industrie und Wissenschaft, in der Regel kooperierende Versuchseinrichtungen im In- und Ausland.

Einer der Schwerpunkte am Stand des KOB auf der Messe „Fruchtwelt Bodensee“ in Friedrichshafen war das neue Angebot der Stiftung zum Einstieg in die Modulberatung einerseits und zum Wissenspaket andererseits. Beide Konzepte wurden 2017 vom Stiftungsvorstand beschlossen und von der Geschäftsführung auf den Weg gebracht. Die beiden das KOB begleitenden Fachbeiräte IP und Ökologische Produktion haben die Konzeption ebenfalls begrüßt. Im Folgenden sollen die beiden unterschiedlichen Angebote dargelegt werden.

Modulberatung im Beratungssystem „Beratung.Zukunft.Land“

Im Rahmen des landesweiten Beratungssystem „Beratung.Zukunft.Land“ wird Erzeugern im Integrierten Obstbau eine betriebsindividuelle Modulberatung zu verschiedenen Produktions- und Managementbereichen angeboten. Hierzu hat das KOB eine Obstbauberatung Bavendorf GmbH als 100%ige Tochter gegründet. Das KOB selbst kann als teilweise in der öffentlichen Hand liegende Einrichtung kein Angebot erstellen, Anbieter und abrechnende Einrichtung ist die GmbH.

Angesprochen sind an einer tiefer gehenden, betriebsindividuellen Beratung zu speziellen Inhalten interessierte Betriebe. Ausgangspunkte sind jeweils die Analyse der betriebsindividuellen Problem- und Bedürfnislage. Entsprechende Angebote gibt es seit längerem für andere landwirtschaftliche Produktionsbereiche in Nachfolge von vorherigen Beratungsdiensten. Nun soll auch der Obstbau in den Genuss dieser Dienstleistung mit Fördermöglichkeit kommen können. Das Land fördert diese Beratungsform mit Fördersätzen zu 80%, bei Biodiversität bis zu 100%.

Angeboten werden verschiedene Module zur betriebsindividuelle Beratung:

  • Grundmodul Obstbau, hier stehen zunächst Randkulturen wie Aprikosen oder Kirschen sowie die am KOB aktuell entwickelten intensiven Anbauformen Kernobst wie „HoheSuperSchlankeSpindel“ im Vordergrund. Weitere Angebote werden anhand der nachfrage zu entwickeln sein.
  • Grundmodul Betriebswirtschaftliche Begleitung, hier sollen die klassischen Instrumente der Betriebsanalyse und-planung zur Verbesserung des Betriebsmanagements angewandt werden
  • Spezialmodul Lagerplanung
  • Spezialmodul Erntetermin und Lagerung/Lagerführung
  • Grundmodul Gesamtbetriebliche Qualitätssicherung
  • Spezialmodul Digitalisierung und Vernetzung
  • Einstiegsmodul Biodiversitätsberatung
  • Spezialmodul Maßnahmen zur Biodiversität
  • Spezialmodule Kleiner bzw. Großer Energieeffizienz Check

Das Buchen von Modulen steht grundsätzlich auch anderen landwirtschaftlichen Betrieben offen. Hierbei könnten Module zur Biodiversität und Energiecheck interessant sein.

Im organisatorischen Ablauf können sich interessierte Betriebsleiter am bei der Beratungs-GmbH am KOB melden und Module buchen. Es finden vorausgehend Veranstaltungen zu den einzelnen Angeboten statt.

Die Kosten der Modulberatung für den Landwirt richten sich nach der Anzahl der gebuchten Module. Ein Modul beläuft sich auf 1.000 €; hierfür erhält der Landwirt ein Stundenkontingent an betriebsindividueller Beratung. Baden-Württemberg fördert Betriebe mit Sitz im Land mit unterschiedlichen Fördersätzen zwischen 50 – 100%. Die Obstbauberatung Bavendorf GmbH wird die fördertechnische Abwicklung übernehmen. Auch Betriebe außerhalb von Baden-Württemberg können Module buchen, erhalten aber keine Landesförderung.

Angebot „Wissenspaket“

Mit dem Wissenspaket werden die auch vielen einheimischen Obstbauern nicht in Gänze bekannten, umfangreichen Informationsangebote des KOB an die Obstwirtschaft zusammengefasst. Das Angebot richtet sich an Erzeuger und Firmen, Institutionen im In- und Ausland gleichermaßen und spiegelt die am KOB erarbeiteten wissenschaftlichen Ergebnisse.

Für das Wissenspaket des KOB soll eine jährliche Pauschale in Höhe von 250 € netto erhoben werden. Hiermit sind dann folgende Inhalte abgedeckt.

  • Freier Zugang zu saisonal tagesaktuelle Mitteilungen Kulturführung, Lagerung, Markt und Betriebsführung als Fax, zukünftig schrittweise auch digitalisiert auf moderne Medien
  • Freier Zugang zu allen Veranstaltungen des KOB wie Versuchsfeldbegehungen, Arbeitskreisen, Vortragsveranstaltungen, Sortenausstellungen, Seminare etc.
  • Freier Zugang zu Veröffentlichungen und Datensammlungen auf der KOB Homepage

Unter folgendem link finden Sie eine Übersicht der Inhalte des Wissenspakets:

Übersicht Inhalte Wissenspaket

 

Infoveranstaltung SortentestungInfoveranstaltungen am KOB

Das bereits vorhandene umfangreiche Angebot wird schrittweise ausgedehnt. Die jeweiligen Inhalte stehen interessierten Obstbauern auch einzeln offen. In diesem Fall werden für die Angebote zukünftig separate Gebühren erhoben. Nicht zuletzt auch aus organisatorischer Sicht wünschenswert wäre eine hohe Beteiligung an der pauschalen Regelung.

Der Erlös soll für die steigenden Kosten zur Bearbeitung der zunehmenden Fragestellungen in den verschiedenen obstbaulichen Bereichen Kulturführung, Pflanzenschutz und Lagerung eingesetzt werden. Damit verteilen sich die Lasten der KOB Forschungsarbeit auf Schultern weiterer Nutznießer.


Fragen und Antworten

 

Warum befasst sich das KOB als Forschungseinrichtung mit Beratung?

Wir bekommen regelmäßig Anfragen aus der Praxis, ob nicht auch betriebsindividuellere und intensivere Beratung möglich wäre. Das Angebot der Beratungsmodule in dieser Art gibt es derzeit am Bodensee nur für den Ökologischen Obstbau. Die gute Beteiligung dort zeigt den Bedarf an individueller Betreuung, die von den bisherigen Angeboten der Stifter in der intensiven Art nicht zu leisten ist. Daher rührt auch die Gebührensituation für die Module, die dann mit z.B. dem Beratungsring in Norddeutschland vergleichbar ist.

Diese Möglichkeit wollen wir für die Obstbauern in Baden-Württemberg eröffnen, insbesondere wenn es vom Land so großzügig gefördert wird. Weiter sollen bisher nicht vorhandene Angebote im Bereich Lagerung, Betriebswirtschaft, Randkulturen, speziellen intensiven Erziehungsformen, aber auch Biodiversität und Energiecheck aufgebaut werden. Mit dem Auftrag, die eigenen Ergebnisse in die Praxis zu tragen steht das KOB nicht alleine. Europaweit wie z.B. Belgien und Frankreich gibt es vergleichbare Modelle, um letztlich die Forschung zu stützen.

Noch eine Beratungseinrichtung, ist das nicht Konkurrenz zu den bestehenden Angeboten?

Dies ist von KOB nicht so beabsichtigt, es geht vielmehr um Synergien und Ergänzungen. Da gilt es genauer auf konkrete Inhalte und vielleicht auch etwas in andere Obstbauregionen zu sehen. Natürlich werden die Erzeugerorganisationen wie andernorts ihre mitgliederorientierten Berater behalten, da geht es auch viel um Qualitätsmanagement und EO-spezifische Fragen. Die Berater der öffentlichen Hand sind, wie in der übrigen Landwirtschaftsverwaltung auch, zunehmend mit Verwaltungsaufgaben belegt oder neben Erzeugerberatung auch mit Arbeiten im Streuobst, Öffentlichkeitsarbeit usw. befasst. Die Dinge auf traditionelle Veranstaltungen, die Ringbetreuung oder das Erzeugerfax zu reduzieren, wird der Sache nicht gerecht.

In der Obstbauberatung wird ohnehin schon viel mit dem KOB bzw. der Übergebietlichen Pflanzenschutzberatung zusammengearbeitet. Vieles an neuen Erkenntnissen aus erster Hand wird ja am KOB erarbeitet. Da liegt es nahe, an den möglichen Synergien weiterzuarbeiten. Im Übrigen könnte auch die Forschung am KOB stärker von einem strukturierteren Feedback aus der Praxis profitieren. Am KOB sehen wir hier daher keine Verdrängung, sondern die möglichen positiven Synergien. Wie und wie weit diese gestaltet werden, liegt allein im Ermessen der jeweiligen Arbeitgeber, die ja auch Stifter am KOB sind.

Mit der seit langem bestehenden Modulberatung Ökologischer Obstbau besteht enges Einvernehmen, es wird hier von der GmbH auch kein Alternativangebot geben. Die Zusammenarbeit ist beispielhaft.

Wird es weiterhin ein kostenloses Pflanzenschutzfax geben?

Das Landwirtschafts- und Landeskulturgesetz garantiert eine kostenlose Grundberatung in Sachen Pflanzenschutz. Diese Aufgabe wird von der am KOB angesiedelten Übergebietlichen Pflanzenschutzberatung des Bodenseekreises erfüllt. Dies wird auch weiterhin gewährleistet sein. Allerdings gibt es auch einen Anteil, der über die erforderliche Grundversorgung wesentlich hinausgeht. Als die Pflanzenschutzgruppe 2006 an das KOB kam, hat sie ca. 12-15 Faxnachrichten jährlich ausgegeben. Heute sind es jährlich 40-50 Mitteilungen mit deutlich eingehenderer Information. Einen Teil der Informationen wollen wir in das Wissenspaket geben, da die entsprechenden Kosten auch vom KOB getragen werden. Aber es wird niemand von einer Grundversorgung abgeschnitten.

Jahrelang waren fast alle Veranstaltungen und Informationen des KOB kostenlos verfügbar. Nun sollen hierfür Gebühren bezahlt werden. Wieso?

Informationsangebot und Leistungen des KOB haben sich seit seinem Bestehen deutlich ausgedehnt. Dies war vor dem Hintergrund zunehmend komplexerer Herausforderungen in allen Arbeitsbereichen des KOB, angefangen von der Sortenprüfung über Kulturführung, Pflanzenschutz bis zur Lagerung, sinnvoll und notwendig. Der inzwischen auch große überregionale Zuspruch bestätigt dies.

Diese erfreuliche Entwicklung des Angebots hat aber naturgemäß auch eine Kostenseite. Seitens der Stifter wurde die Geschäftsführung verstärkt darauf hingewiesen, dass auch die Nutznießer ihren steigenden Beitrag zu leisten haben, wenn die öffentliche Hand ihren Beitrag leisten bzw. erhöhen soll. Insbesondere die Landkreise haben hier deutliche Aussagen gesetzt. Die 4 am KOB beteiligten Erzeugerorganisationen haben auch darauf hingewiesen, dass Nichtmitglieder fast genauso profitieren.

Natürlich profitieren auch „Externe“ von unserer Arbeit. Wir haben deutschlandweiten bzw. internationalen Zuspruch und Austausch. Und das ist auch gut so. Niemand ist fröhlich, wenn etwas plötzlich Geld kosten soll, insbesondere in einer schwierigen Zeit. Aber man sollte doch den Blick auf das lenken, was man an Leistungen bekommt, was vielleicht auch keine Selbstverständlichkeit ist. Es geht um das Ganze, die Herausforderungen werden nicht weniger werden und wenn die Lasten solidarisch auf viele Schultern verteilt werden, dann ist es für alle tragbar. Das KOB ist schließlich eine Einrichtung, die der Obstwirtschaft in hohem Maße nutzt und weiter nutzen können soll.

Warum muss Wissenschaft überhaupt von den Obstbauern bezahlt werden? Ist das nicht Aufgabe der Gesellschaft?

Das MLR erbringt 2/3 der institutionellen Förderung und stellt 5 Mitarbeiter, die Universität 3,5 Mitarbeiter, das Land Gebäude und die Fläche, das sind schon nennenswerte Beiträge. Der überwiegende Teil der Ergebnisse wird über Drittmittel geförderte Projektarbeit in Zusammenarbeit mit anderen Versuchsstationen geleistet. Hier konnten doch einige, für die Obstwirtschaft segensreiche Projekte mit guten Ergebnissen umgesetzt werden.

Beispiele sind die Interreg-Projekte zur Anwendung von MCP, zur Verringerung von Lagerschäden, zur Verringerung des Energieeinsatzes, gegen Feuerbrand - mit dem Ergebnis, dass immerhin LMA als Notbehelf anstelle des nicht mehr zu bekommenden Streptomycins zur Verfügung steht. Aktuell haben wir 5 internationale Projekte zu den Themen Kirschessigfliege, Marsonnina, Herbizidverzicht, Verringerung Lagerschäden und rückstandsfreie Produktion. Dazu kommen Bundesprojekte in Kupferreduzierung im ökologischen Obstbau, mechanische Ausdünnung und Digitalisierung sowie vom Land zur Abdriftproblematik, Resistenzzüchtung und Biodiversität. Wir meinen, dass dies alles Themen sind, mit denen sich die Obstwirtschaft intensiv zu befassen hat.

Allein für die Interreg-Projekte werden in 4 Jahren gemeinsam von den Partnern 7 Mio. € eingesetzt, davon ca. 40% am KOB mit einem Förderanteil von 60%. Bei anderen Projekten haben wir in der Regel 100% Fördersumme. Die direkten Projektkosten sind also nicht von der Stiftung, sondern werden von Fördermitteln getragen. Die auf Projekte befristet angestellten Arbeitskräfte stehen auch für andere Fragestellungen zur Verfügung. Durch die Kooperation arbeiten Arbeitskräfte der anderen Partner wie z.B. die Esteburg, die Laimburg, Schlachters oder in der Schweiz Wädenswil, Frickhof und Strickhof indirekt für den Obstbau am Bodensee. Preiswerter können wissenschaftliche und zugleich praxisrelevante Ergebnisse nicht erreicht werden.

Nicht von Projektmitteln gefördert werden Overheadkosten für die Bewirtschaftung der 50 ha Versuchsflächen, Verwaltung, Unterhaltung Gebäude und die vielen, stetig zunehmenden Gemeinkosten, die ein Unternehmen zu tragen hat. Die Tendenz zur Beteiligung der Praxis ist international deutlich erkennbar, an anderen Orten gibt es kaum mehr öffentliche Beteiligung. Am Bodensee ist sind die Leistungen im Vergleich noch sehr günstig, nicht zuletzt durch die Unterstützung seitens der Öffentlichen Hand. 

Woher sollen die Berater kommen?

Im Gegensatz zu bereits länger existierenden Beratungsdiensten ist die Obstbauberatung Bavendorf GmbH eine Neugründung und muss aufgebaut werden. Das ist ein finanzieller und personeller Kraftakt. Hierzu werden wir schrittweise Stellen ausschreiben und aus den jungen Menschen, die bei uns durchlaufen, Berater aufbauen. Rückhalt haben sie hierzu auf der Grundlage der langen Expertise unserer Wissenschaftler und Praktiker im Versuchsbetrieb. Das wird seine Zeit dauern, aber das ist auch in anderen Obstbaugebieten so, dass junge Menschen nachgezogen werden. Mir scheinen viele junge Leute sehr motiviert.

 

Kontakt:

Frauke Stockrahm (Dipl.-Ing. Agrar)

Schuhmacherhof 6

0751/7903-312

frauke.stockrahm@kob-bavendorf.de