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Rußflecken

In den letzten Jahren wurde besonders im Bio-Anbau ein zunehmender Befall mit Rußflecken festgestellt. Verantwortlich für diese Krankheit ist ein Komplex aus verschiedenen pilzlichen Erregern. Diese leben auf vielen wildwachsenden Wirtspflanzen, darunter Rubusarten (Brombeere,...) und einige Laubgehölze, wie Weide, Esche und Ahorn.
Im Bodenseegebiet sind ab etwa Mitte Juli die ersten Symptome auf den Äpfeln zu finden: schwarze, verwaschene Flecken, welche sich im Laufe des Sommers langsam über die gesamte Fruchtschale ausdehnen. Dieser „Schmutz“, in Wirklichkeit das Pilzmycel des Erregers, lässt sich mit etwas Mühe abreiben. Bei hellschaligen Sorten, wie zum Beispiel Goldrush, sind die Symptome besonders gut zu sehen. Spätreifende Sorten sind anfälliger, da sich hier die Krankheit über einen längeren Zeitraum aufbauen kann. Große Infektionsgefahr besteht bei andauernd feucht-kühler Witterung.
Schaden tritt im Form von Qualitätsminderung durch verschmutzte Früchte auf, die Blatt- und Fruchtentwicklung wird nicht beeinträchtigt.
Im integrierten Anbau sind die Rußflecken bedeutungslos, da sie bei den regelmäßig durchgeführten Schorfspritzungen mitbekämpft werden. Bei schorfresistenten Sorten wie Topaz und Goldrush führten extensive Spritzfolgen im biologischen Anbau, aber auch im IP-Anbau, zu einem vermehrten Auftreten dieser Krankheit. Hierfür wurden spezielle Abbürstmaschinen konstruiert, welche die Äpfel kurz vor dem Verkauf reinigen.

Erreger
Ging man Anfang der 90er Jahre noch von einem einzigen Erreger namens Gloeodes pomigena aus, wird heute ein Komplex verschiedener Pilze für das Auftreten der Rußfleckensymptome verantwortlich gemacht. Darunter sind bisher nur wenige identifiziert, der komplette Lebenszyklus vieler Arten ist noch unbekannt. Je nach Region können unterschiedliche Pilze an diesem Komplex beteiligt sein.
Ein Großteil der rußfleckenverursachenden Pilze gehört, wie der Schorfpilz Venturia inaequalis, zur Familie der Ascomyceten.

Symptome und Schaden
Es werden nur die Früchte befallen, Blätter und Triebe zeigen keine Symptome. Auf den Äpfeln entstehen grünlich-schwarze, unregelmäßig verwaschene Fleckchen, welche im Laufe des Sommers ineinander übergehen und zum Teil die gesamte Fruchtschale bedecken. Häufig kommt es auch zur „Tränen-Bildung“, d. h. einzelne Flecken laufen in einer Spur die Fruchtschale hinunter. Der Belag kann durch kräftiges Abreiben entfernt werden. Die Fruchtentwicklung wird durch einen Befall nicht eingeschränkt. Schaden entsteht dennoch durch eine verminderte Fruchtqualität infolge „schmutzig“ erscheinender Äpfel, welche am Markt nicht angenommen werden. Als grober Richtwert gelten hierfür 10%. Sind mehr als 10% der Fruchtoberfläche mit Regenflecken befallen, werden die Äpfel zur „Waschware“ gezählt, müssen also vor dem Verkauf über die Abbürstmaschine laufen.
Der Pilz wächst im Lager weiter.

Biologie
Die Lebensweise der Erreger ist noch nicht ausreichend erforscht. Die Überwinterung erfolgt auf wildwachsenden Pflanzen wie Weide, Esche oder Brombeere, von ihnen gehen die Primärinfektionen aus. Ob sich die Erreger den Winter über auch innerhalb der Anlagen an Apfelbäumen aufhalten ist bisher ungewiss.
Infektionsgefahr besteht bei feucht-kühler Witterung. Schattige Lagen, aber auch seenahe Gebiete mit häufig viel Morgentau sind besonders befallsgefährdet. Infektionen sind ab Anfang Juni bis in den Herbst hinein möglich. Die Sekundärinfektionen werden durch Konidien verursacht, welche mittels Wind und Regen auf weitere sich entwickelnde Früchte transportiert werden. Etwa drei Wochen nach erfolgter Infektion werden die ersten Symptome sichtbar.
Die Pilze leben oberflächlich in der Wachsschicht der Äpfel, sie dringen nicht in die Fruchtschale ein. Sie ernähren sich wahrscheinlich vom Apfelsaft, welcher durch Feinrisse der Cuticula während des Wachstums aufsteigt.

Vorbeugende Maßnahmen und Bekämpfung
Mit Schorfspritzungen werden zugleich die Erreger der Rußflecken erfasst. Aus diesem Grund tritt diese Krankheit bei den herkömmlichen, nicht-resistenten Sorten kaum auf. Schorfresistente Sorten, bei denen ein eingeschränktes Fungizidprogramm gefahren wird und die Rußflecken daher nicht zwangsläufig mitbehandelt werden, zeigen häufig einen starken Befall. Im Bio-Anbau werden 4-5-malige Spritzungen mit Schwefelkalk oder Kokosseife zu den Hauptinfektionszeiten empfohlen. In den Niederlanden wird zur Zeit ein RIMpro-Prognosemodell mit Namen „Sooty Blotch“ entwickelt, welches die Infektionsperioden und die Zunahme des Fruchtbefalls im Laufe des Sommers zeigt. Daraus abgeleitet können gezieltere Spritzungen durchgeführt werden. Parameter zur Berechnung sind ähnlich wie beim RIMpro-Schorfmodell die Blattnässe, Regenmenge und Temperatur.
Vorbeugend sollten alle Maßnahmen ergriffen werden, welche Licht und Luft in die Baumkrone bringen und so das schnelle Abtrocknen der Bäume fördern. Ein hoher Bewuchs im Baumstreifen staut die Nässe und wirkt daher befallsfördernd.

 

Eine weitere, häufig mit den Rußflecken vergesellschaftete Krankheit ist die Fliegenschmutzkrankheit. Sie wird durch den Erreger Schyzothyrium pomi hervorgerufen. Auf der Fruchtschale entstehen scharf abgegrenzte, graue Flecken, welche sich aus vielen kleinen, schwarzen, fliegenschmutzartigen Punkten zusammensetzen. Diese lassen sich wie die Rußflecken abreiben. Es kommt zu keiner „Tränen-Erscheinung“. Befallene Früchte entwickeln sich normal weiter. Häufig findet man Fliegenschmutzsymptome an älteren Bäumen mit hellschaligen Sorten (Golden Delicious, Glockenapfel) wenn die Spritzabstände zu groß waren.
Die Lebensweise ist derer der Rußflecken recht ähnlich.
Die Rußflecken- und Fliegenschmutzkrankheit werden häufig unter dem Begriff „Regenfleckenkrankheit“ zusammengefasst.