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Gloeosporium-Fruchtfäule

Die Lentizellenfäule gehört zu den wichtigsten Lagerfäulen im heimischen Apfelanbau. Sie wird durch drei Arten der Gattung Gloeosporium verursacht, es sind G. album, G. perennans und G. fructigenum.
Die Symptome treten erst spät im Lager auf: mehrere rundliche, 2-3 cm große, braune Faulstellen. Die Infektion der Lentizellen („Lentizellenfäule“) erfolgt bereits in den Anlagen und ist während der gesamten Fruchtwachstumsperiode möglich. Hohe Luftfeuchte und lange Blattnasszeiten fördern die Infektion. Nach nassen Sommern kommt es daher nicht selten zu erheblichen Verlusten im Lager. Die Symptome zeigen sich im Kühllager erst ab Januar, wenn die Früchte ein bestimmtes Reifestadium erreicht haben. Es gilt: Je länger die Lagerdauer, desto höher das Befallsrisiko. Die Lagerung unter CA- bzw. ULO-Bedingungen verzögern das Auftreten.
In der Integrierten Produktion stehen einige wirksame Fungizide zur Bekämpfung der Gloeosporium-Fruchtfäule zur Verfügung. Im Bio-Apfelanbau gibt es derzeit keine ausreichend wirksamen Präparate. Mit der Heißwasserbehandlung direkt im Anschluss an die Ernte wurden hier gute Erfahrungen gemacht.
Das befallene Fruchtfleisch schmeckt bitter, daher auch die Bezeichnung „Bitterfäule“.

Symptome
Ausreifende Früchte zeigen zunächst dunkel gefärbte Lentizellen. Die eigentlichen Fruchtfäulen treten erst später im Lager nach einer charakteristischen „Ruhephase“ auf.
Um die Lentizellen bilden sich runde, leicht eingesunkene, braune Flecken. Diese sind fest und trocken und reichen kegelförmig ins Fruchtfleisch. Die Flecken sind meist nur 2-3 cm groß und können sehr zahlreich auf einer Frucht auftreten, ein völliges Durchfaulen des gesamten Apfels unterbleibt aber.
Je nach Art entwickeln sich auf den Faulstellen unterschiedlich gefärbte Sporenlager.
G. alba zeigt langsam wachsende kreisrunde, feste und hellbraune Faulstellen. Unter feuchten Bedingungen bilden sich weiß bis rosafarbene Sporenbehälter.
Triebe befällt diese Art nur selten, die Nekrosen reichen dann nur bis zur Kambiumschicht.
Bei G. perennans ist die Faulstelle hell bis orangebraun gefärbt mit einer dunklen Grauzone an Rand. Es werden grau bis gelbweiße Sporenlager gebildet.
Diese Art infiziert auch die Triebe, es kommt zu flachen Rindenbrandstellen, welche sich meist in Längsrichtung ausdehnen. Im Zentrum werden weißliche Sporenlager gebildet, deren Konidien führen dann zu Fruchtinfektionen.
Die dritte Art, G. fructigenum, verursacht dunkelbraune, oft schwarzfleckige Faulstellen mit hell bis rot gefärbten Sporenlagern. Bisher wurde sie nur als Fruchtfäuleerreger nachgewiesen.
Die genaue Unterscheidung erfolgt anhand einer mikroskopischen Untersuchung der Sporen.

Biologie (Lebenszyklus als ppt-Datei)
Die Gloeosporiumerreger überwintern auf lebendem und totem Holz, Fruchtmumien, Fallobst und Blattnarben. Von dort aus gelangen die Konidien mittels Wasser in Lentizellen und Verletzungen der Fruchtschale. Sie verharren dort längere Zeit in einem Ruhezustand ohne merkbare Schädigungen hervorzurufen. Erst in der späten Lagerphase, wenn die Früchte einen bestimmten Reifegrad erreicht haben, keimen die Konidien aus und es kommt zu den typischen Fruchtfäulesymptomen. Die Infektion findet also bereits in der Anlage statt, sie ist während der gesamten Entwicklung der Früchte möglich. Feuchte Witterung während der Wachstumsperiode und Herbstnebel erhöhen den Infektionsdruck. Im Lager wird die Ansteckungsgefahr als gering eingestuft, da die Konidien unbedingt Wasser als Transportmittel benötigen.
Die Ascosporenform des Pilzes hat bei der Infektion keine Bedeutung.

Vorbeugende Maßnahmen
Infektionsquellen wie Fruchtmumien oder krankes Holz sollten generell von den Bäumen entfernt und möglichst aus der Anlage gebracht werden. Alternativ hilft auch das Mulchen der Fahrgasse, dies fördert die mikrobielle Zersetzung des infizierten Materials. In gefährdeten Anlagen sollte das Mulchen vorzugsweise bei trockener Witterung geschehen, da Schmutzspritzer gefährliche Infektionsquellen darstellen.
Lentizellen sind natürliche Eintrittspforten für die Gloeosporiumerreger. Sorten mit großen Lentizellen wie Pinova, Topaz, Rubinette, Golden Delicious und Goldrush sind daher stärker gefährdet. Fruchtverletzungen als weitere Eintrittspforten sollten vermieden werden. Der Erntezeitpunkt, die Lage des Apfels am Baum, die Fruchtausfärbung und die Inhaltsstoffe (Phenolgehalt, Ca-Versorgung,...) stehen in enger Verbindung mit dem Gloeosporiumaufkommen. So senken Kalziumspritzungen gegen Stippe das Fruchtfäulerisiko. Gut ausgefärbte, außen hängende Früchte werden weniger stark befallen als schwach ausgefärbte Früchte vom Kroneninneren. Ein lockerer Baumaufbau sollte beim Schnitt das Ziel sein. Äpfel von älteren Bäumen sind zudem stärker betroffen als die von Jungbäumen.
Durch Kühlung wird das Einsetzen der Fäulnis gehemmt, im Laufe der Zeit verliert das Fruchtgewebe jedoch seine Resistenz, Fäulnis kann somit nicht verhindert werden.
In Bezug auf die Verpackung zeigen Behältnisse aus Polyethylen eine verstärkte Tendenz zum Verderb.

Bekämpfung
In der Sekundärsaison des Schorfpilzes sollten immer wieder Schorfmittel mit einer Nebenwirkung auf Fruchtfäulen eingesetzt werden. Dies senkt den Infektionsdruck. Für die eigentlichen Lagerspritzungen stehen dem Integrierten Anbau verschiedene Mittel zur Verfügung. Bei der Auswahl der Präparate sollte das jeweilige Wirkungsspektrum der Pilze und die angegebene Wartezeit berücksichtigt werden. Nach einem Hagelereignis werden generell Lagerspritzungen empfohlen.
Im Bio-Anbau kommt in den letzten Jahren vermehrt das Heißwassertauchverfahren zum Einsatz. Die Äpfel werden dabei direkt nach der Ernte für etwa 2 Minuten in 52°C warmes Wasser getaucht und anschließend eingelagert. Der Befall an Gloeosporium kann hierdurch deutlich gesenkt werden. Nicht alle Sorten eignen sich für dieses Verfahren (Verbräunung der Fruchtschale). Es gibt Anlagen für Großkisten (300kg).