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Feuerbrand

Erreger: Erwinia amylovora

Feuerbrand trat zum ersten Mal vor gut 200 Jahren in Nordamerika auf.
Der Erreger dieser gefährlichen Krankheit ist das stäbchenförmige Bakterium Erwinia amylovora. Während der Blüte, aber auch zu einem späteren Zeitpunkt infiziert es seine Wirtspflanzen. Dies sind apfelfrüchtige Rosengewächse wie Apfel, Birne, Quitte und einige nah verwandte Ziergehölzarten. Befallene Pflanzen zeigen verdorrte, wie von „Feuer verbrannte“ Triebe, was dieser Krankheit auch den Namen Feuerbrand („fireblight“) verlieh. Je nach Anfälligkeit kann ein Baum bereits während einer Vegetationsperiode absterben.
Bedroht ist vor allem der Erwerbsobstanbau, aber auch landschaftsprägende Streuobstbestände, Baumschulen, öffentliches Grün und Hausgärten sind betroffen. Für Menschen und Tiere ist das Bakterium ungefährlich.
Eine genaue Bestandeskontrolle und das sofortige konsequente Entfernen und Vernichten befallener Pflanzenteile sind wichtige Abwehrmaßnahmen, zumal wirksame Bekämpfungsmittel rar sind.
Hoffnung wird in die Züchtung feuerbrandresistenter Sorten und Unterlagen gesetzt.

Geschichtliches
Der Feuerbrand trat zum ersten Mal im Jahre 1780 in Nordamerika auf. Erst 100 Jahre später wurde der Erreger dieser gefährlichen Pflanzenkrankheit bestimmt, das Bakterium Erwinia amylovora. 1915 waren bereits alle Obstbaugebiete der USA von Feuerbrand betroffen. Auf dem europäischen Kontinent wurde er zum ersten Mal im Jahre 1957 in England beobachtet. Von da breitete er sich über die Niederlande und Polen (1966), Dänemark (1968), Belgien und Frankreich nach Deutschland aus. In Baden-Württemberg zeigten sich die ersten Befallssymptome 1981 an Obst- und Ziergehölzen. In der Schweiz traten die ersten Krankheitsfälle 1989 an einem Cotoneaster in Stein am Rhein auf. Bereits 1972 wurde dort der Import von Wirtspflanzen des Feuerbrandes verboten. Nach Österreich (Vorarlberg) kam diese Bakterienkrankheit 1993.
Nur wenige europäische Länder blieben bis heute befallsfrei. In Mittel- und Südamerika, Neuseeland und Asien ist der Feuerbrand ebenfalls verbreitet.

Wirtspflanzen
Wirtspflanzen sind zahlreiche Gattungen und Arten der Rosengewächse.
In Mitteleuropa sind dies:

• alle Kultur- und Zierformen von Apfel (Malus) und Birne (Pyrus)
Quitte (Cydonia)
Scheinquitte, Feuerbusch (Chaenomeles)
• Feuerdorn (Pyracantha)
• Stranvaesie (Stranvaesia)
Eberesche/Vogelbeere, Mehlbeere, Elsbeere, Speierling
(alle Sorbus-Arten, außer S. intermedia)
Weiß- und Rotdorn (Crategus sp.)
• Cotoneaster sp. (unterschiedliche Anfälligkeit der einzelnen Arten)
Mispel (Mespilus)
• Felsenbirne (Amelanchier)

Nicht befallen werden alle Stein- und Beerenobstarten, andere Laubgehölze, Wal- und Haselnüsse und alle Nadelgehölze.

Anfälligkeit von Kernobstsorten und Unterlagen
Bei den herkömmlichen Sorten lassen sich keine eindeutigen Unterschiede in Bezug auf die Feuerbrandempfindlichkeit nachweisen. Ausschlaggebend für die Höhe des Befalls ist der Witterungsverlauf während der Blütezeit der einzelnen Sorten.
Sorten mit vielen Nachblühern, wie z. B. Pinova oder Rubinette gelten aufgrund der verlängerten Blühphase als anfällig. Bei Pinova scheint die Infektion relativ rasch abzustoppen. Es müssen lediglich befallene Treibe entfernt werden, der Erreger tritt nicht bis zum Stamm vor.
Einige Neuzüchtungen sind neben Schorf und Mehltau zusätzlich gegen Feuerbrand resistent. Remo, Rewena, Reanda und Rebella entstammen der Re-Serie aus Dresden-Pillnitz. Sie eignen sich aufgrund ihrer breiten Resistenz für den Hausgarten und Streuobstanbau. Wer alte Sorten anbauen möchte sollte auf Horneburger Pfannkuchenapfel, Ontario, Ingol, Rote Schafsnase, Kardinal Bea oder Bohnapfel zurückgreifen. Diese haben eine geringe Anfälligkeit gegenüber Feuerbrand.
Aus Kanada kommen die feuerbrandresistenten bzw. toleranten Birnensorten Harrow Sweet, Harrow Crisp und Harrow Gold. Diese dürften sich im Erwerbsanbau aufgrund ihrer mangelnden Fruchtqualität jedoch kaum durchsetzen. Alle bisherigen, für den kleinkronigen Anbau geeigneten Unterlagen sind feuerbrandanfällig. Wissenschaftler aus den USA (Geneva) sind derzeit dabei, Feuerbrand bzw. Kragenfäule resistente Unterlagen auszulesen (G-Serie). Praxiserfahrungen hierzu liegen noch nicht vor.

Krankheitssymptome
Der Hauptinfektionsweg geht über die Blüte. Diese wird zunächst welk, wenig später verfärbt sie sich braun-schwarz. Häufig werden nur einzelne Blüten eines Blütenbüschels infiziert, sie lassen sich nur schwer vom Büschel abzupfen. Über den Blütenstiel gelangt das Bakterium in Triebe, größere Äste und schließlich bis in den Stamm. Charakteristisches Merkmal bei Blättern ist die Schwärzung der Blattadern von Blütenstiel her. Die Triebe werden braun und vertrocknen.
Triebspitzen können bis zum Treibabschluß infiziert werden, vor allem bei stärkerem Infektionsdruck. Anfangs erscheinen sie wasserdurchzogen und fahlgrün, später werden sie braun-schwarz. Aufgrund des Wassermangels krümmen sie sich U-förmig („krückstockartig“) nach unten.
Die abgestorbenen und vertrockneten Blätter bleiben zum Teil bis zum Winter am Baum hängen.
Ein Befall der Unterlage führt zu einer Versorgungsstörung im Baum. Die Blätter verfärben sich vorzeitig rot, die Früchte färben früher aus. Dieses Symptom wird häufig mit dem der Kragenfäule verwechselt, der Feuerbrandbefall bleibt daher oft unbemerkt.
Die Rinde der Unterlage ist dunkel bis schwarz verfärbt. Schneidet man die Befallsstelle flach an, zeigt sich die rotbraun verfärbte Kambiumschicht. Die oberen Holzschichten sind feucht, tieferliegende Schichten sind normal gefärbt.
Im Frühstadium tritt aus den Befallsstellen von Blüten, kleinen Früchten, Trieben und Unterlagen infektiöser und klebriger Bakterienschleim aus. Dieser ist zunächst weißlich bis farblos, später bernsteinfarben. Häufig bilden sich kleine Tröpfchen, diese sind morgens am besten zu erkennen. Bei feucht-warmen Bedingungen wird besonders viel Schleim produziert.

Die Ursachen für welkende, verbräunte und vertrocknete Blüten, Blätter und Triebe sind vielfältig.
Neben dem Feuerbrand, ruft eine weitere Bakterienkrankheit, Pseudomonas sp., ähnliche Symptome hervor. Verwechslungsgefahr besteht auch mit Monilia, einem pilzlichen Erreger, und mit nicht parasitär hervorgerufenen Schädigungen durch Frost oder Herbizide.
Ein erster Hinweis gibt das flache Anschneiden der Befallsstelle im Übergangsbereich von gesundem zu krankem Gewebe. Bei einer pilzlichen Infektion sind die beiden Bereiche scharf voneinander abgegrenzt. Eine Monilia-Infektion erkennt man zusätzlich an einer „Ringelung“ der Befallsstelle. Die Rinde ist etwas eingesunken und abwechselnd streifig („Ring“) dunkel- und hellbraun gefärbt.
Handelt es sich hingegen um einen bakteriellen Erreger wie dem Feuerbrand ist der Übergang während der Vegetationsperiode unscharf, streifig oder fleckig und erscheint feucht.
Im Herbst und Winter kommt die Ausbreitung vorübergehend zum Stillstand. Die befallenen Rindenstellen sinken ein und verfärben sich rotbraun („Canker“). Der Übergang von gesundem zu krankem Gewebe ist dann auch scharf abgegrenzt (=> frühzeitige Kontrolle wichtig).
Eine 100%ige Diagnose ist nur nach einer Laboruntersuchung möglich.

Krankheitsverlauf und Übertragung (Lebenszyklus als ppt-Datei)
Die Bakterien überwintern in den befallenen Rindenteilen („Canker“). Ein Großteil von ihnen stirbt ab, der Rest bleibt in latenter Form erhalten. Im Frühjahr vermehren sich die Bakterien rasant, der Krankheitszyklus wird wieder in Gang gesetzt. Der infektiöse Bakterienschleim wird mittels Insekten, Regentropfen (Abwaschung), Wind und Vögel verteilt.
Es gibt verschiedene Infektionsmöglichkeiten.
Die Krankheit beginnt meist mit Blüteninfektionen. Diese sind am gefährlichsten. Blütenbesuchende Insekten, wie Bienen, Wespen, Hummeln und Fliegen sind hierbei die „Hauptverteiler“. Frühestens zwei Wochen nach der Infektion werden die ersten Symptome sichtbar.
Im Jahresverlauf werden weitere Pflanzenteile, wie verholzte und unverholzte Triebe (auch Wurzelschosser!), Knospen, Blätter und Unterlagen befallen. Die Verbreitung auf die Triebe erfolgt gewöhnlich durch pflanzensaugende Insekten wie Blattläuse, Wanzen und Zikaden. Eine Verbreitung kann auch durch verseuchte Schnittwerkzeuge, Kleider und Schuhe erfolgen. Auf unbenutzten Geräten, Textilien und Kleidern ist der Erreger an einem geschützten Ort über mehrere Monate lebensfähig.
In bereits befallenen Anlagen werden die Erreger häufig bei routinemäßigen Spritzungen („Wind“ des Gebläses) weitergetragen.

Infektionsbedingungen sind bei schwül-warmer Witterung mit Temperaturen über 18°C und einer relativen Luftfeuchte von über 70% gegeben. Eintrittspforten sind offene intakte Blüten und Verletzungen (Hagelschlag). Bei starker Feuchte kann eine Infektion aber auch über natürliche Öffnungen wie Lentizellen, Wachstumsrisse oder Narben von Blatt- und Fruchtstielen erfolgen. In der Pflanze wandert der Erreger im Bastteil (Phloem) stammabwärts bis in die Wurzeln. Die Ausbreitung in der Pflanze ist von ihrem Anfälligkeitsgrad abhängig.

Prognosemodell Maryblyt
Zur Bestimmung der Feuerbrandgefahr arbeiten die amtlichen Pflanzenschutzdienststellen mit dem Prognosemodell Maryblyt.
Voraussetzungen für eine Infektion sind:
• geöffnete, intakte Blüte
• ab offener Blüte 110 Stundengrade über 18,3 °C
(Entwicklung der Bakterienpopulation)
• Blattnässe
(Niederschlag > 0,25 mm oder Tau) oder am Vortag > 2,5 mm Niederschlag)
• Tagesdurchschnittstemperaturen > 15,6 °C
Sind alle vier Bedingungen gleichzeitig erfüllt, herrscht akute Infektionsgefahr. Anhand dieser Berechnungen werden die Warnaufrufe getätigt.

Kulturmaßnahmen
Alle Kulturarbeiten sollten bei Trockenheit durchgeführt werden. Dadurch wird die Gefahr einer allgemeinen Bakterienverbreitung durch Geräte, Hände und Kleidung vermindert.
Häufig tragen verseuchte Schnittwerkzeuge unbeabsichtigt zu einer Verbreitung des Erregers bei.
Deshalb:
• in gefährdeten Anlagen den Winterschnitt nur bei absoluter Knospenruhe durchführen, ab Austrieb die Bäume nicht mehr schneiden.
• mechanische Fruchtausdünnung per Hand und nicht mit der Schere durchführen
Jegliche Verletzungen von Ästen und Stämmen, z. B. beim Mulchen, sollten vermieden werden.
Eine verhaltene Düngung führt zu früherem Triebabschluß, die Gefahr von Triebinfektionen wird gesenkt.

Bekämpfungsmaßnahmen/ Kontrolle
Es ist noch nie gelungen, feuerbrandbefallene Pflanzenteile zu heilen.
Alle Maßnahmen zur Bekämpfung richten sich gegen eine weitere Ausbreitung des Erregers durch Rückschnitt und Rodung infizierter Bäume mit sofortiger Vernichtung des verseuchten Materials.
Anfällige Pflanzenbestände sollten ab der Blüte und im Vorsommer regelmäßig auf Feuerbrandsymptome kontrolliert werden.
Bei Befall einzelner Triebe genügt ein starker Rückschnitt 30-40 cm ins gesunde Holz. Stärker befallene Bäume und Birnen sollten sofort gerodet und am besten, wenn erlaubt, an Ort und Stelle verbrannt werden. Starkes Holz kann für den Hausbrand verwendet werden.
In einem Umkreis von 500m um den Befallsherd sollten anfällige Pflanzen mitkontrolliert werden.

Aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr dürfen infizierte Pflanzen keine anderen Wirtspflanzen berühren. Verwendete Geräte müssen nach Gebrauch mit 70%igem Alkohol oder Abflammen desinfiziert werden.